Ob LPF, DEPT oder DEKT: Posaunenchöre entfalten eine einzigartige klangliche und gemeinschaftsstiftende Wirkung. Und diese Gemeinschaft ist nicht nur bei den großen Ereignissen zu erleben, sondern auch immer wieder in den kleinen Momenten bei jeder einzelnen Probe. Was haben wir schon alles gemeinsam erlebt?!
Und wir haben alle einmal angefangen. Jemand hat uns den Weg zum Instrument und den ersten Tönen gezeigt, uns in kleinerem oder größerem Umfang begleitet, motiviert, ausgebildet oder einfach machen lassen. Und viele Bläser:innen bleiben dabei, einige ihr Leben lang. Andere hören wieder auf, manche steigen wieder ein. Wer es leben kann und mag, ist Teil der Posaunenchorfamilie und -tradition.
Wenn wir auf aktuelle Entwicklungen und Zahlen schauen, steht die Tradition der Posaunenchorarbeit vielerorts vor Herausforderungen. Davon zu lesen ist u.a. auch in der kürzlich entstandenen Bachelorarbeit der Diakoniewissenschaftlerin Toska Zimmermann. „So hat die evangelische Posaunenchorarbeit bundesweit innerhalb von 20 Jahren rund 25.000 Mitglieder verloren, was einem Rückgang von rund 25% entspricht (Deutsches Musikinformationszentrum, 2024). Mit dem demographischen Wandel nehmen zudem alters- und gesundheitsbedingte Einschränkungen zu, die das Musizieren erschweren und zum Ende des Engagements führen können (…). Hinzu kommen Folgen der Covid-19-Pandemie, die Probenarbeit erschwert und einige Chöre in ihren Strukturen geschwächt haben.“
Auch bei uns in der Hannoverschen Landeskirche können wir diese Herausforderungen und den Wandel, den Toska Zimmermann in ihrer Bachelorarbeit beschreibt, deutlich beobachten. Sehr eindrücklich ist die Veränderung der Teilnahme an unseren Seminaren. So waren der Anteil der Kinder und Jugendlichen bei den großen Bläserseminaren und -freizeiten vor einigen Jahren noch bedeutend größer – inzwischen sind es sind immer mehr Erwachsene. 2025 mussten wir zwei Wochenendseminare für Kinder und Jugendliche aufgrund zu weniger Anmeldungen absagen (2026 zum Glück nicht). Unsere kritische Reflexion läuft schon länger.
In den Bezirken erleben wir hinsichtlich der Jungbläserausbildung weiterhin Orte, die strahlende Leuchttürme sind, wo umfangreiche und großartige Ausbildung passiert. Doch die allgemeine Wetterlage ist flächendeckend eher getrübt: Entweder finden vorhandene Ausbildungsangebote wenig oder keinen Zulauf, aber noch häufiger fehlt es an Menschen, die die Ausbildung anbieten und durchführen.
Wir möchten seitens des Posaunenwerks gemeinsam mit euch das Thema Ausbildung somit noch bewusster und umfangreicher angehen. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir die Posaunenchorarbeit und unseren Beitrag immer wieder hinterfragen, weiterentwickeln und auch neu denken. Dabei muss nicht jede Aktion zum Erfolg führen – wichtig ist es aber, ins Handeln zu kommen und in Aktion zu bleiben! Damit wir und viele mit und nach uns diese einzigartige Gemeinschaft weiterhin erleben und weitertragen können. Lasst uns also kein Trübsal blasen, sondern gemeinsam mit „Lauter Vertrauen“ neue Wege entdecken!